Dienstag, 20. Oktober 2009

Daily Inspiration # VII - Sci Fi und Utopien - Das Nichtexistierende wird gezeigt

Nachdem ich mich vergangene Woche Modeprophezeiungen der 30er Jahre widmete, gilt dieser Beitrag früheren utopischen Stadt- und Gesellschaftsentwürfen.
Die Idee der idealen Stadt kann bis an die Anfänge der Geschichte der realen Stadtentwicklung zurückverfolgt werden. Ob beissende Kritik, affirmativer Zukunftsglaube oder überbordende Fantasie - die Beweggründe der Utopisten sind ebenso vielfältig wie die daraus resultierenden Projekte.
Auch lassen sich durchaus wiederkehrende Motive erkennen. Der geschichtliche Rückblick zeigt, dass mancher vermeintlich neue Entwurf schon einmal in ähnlicher Form erdacht worden ist.

Zukunftsutopien – die Zeit vor 1945

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Selbstdarstellung der amerikanischen Demokratie, um 1876. Eine Stadt, oder ein Monument mit mehreren, gleich hohen Türmen, die auch in dieser frühen Zeit bereits mit Brücken verbunden sind.

Aus F.A.Z., 'Bilder und Zeiten', Nr. 164, 18.7.1998


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Manhattan stellte man sich um 1900 für das Jahr 2000 noch zugebauter vor, als es dann heute tatsächlich der Fall ist.

H. M. Pettit: 'King's Dream of New York', 1908 , und N.N., 1900, in: H. Kimpel, / G. Hallenberger: 'Zukunftsträume', S.130, Ebersberg, 1984


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Verkehr auf allen Etagen. Ganz unten die Straßenbahn, dann die klassische Hochbahn auf der zweiten Etage (die realistischerweise auf eigenen Ständern steht), und oben, etwa auf der Höhe des 40sten Stockwerks, verkehren abermals S-Bahnen.
Was aber passiert, wenn einer der Wolkenkratzer, durch den diese oberen Bahnen verlaufen, einmal abgerissen werden soll?

R. W. Rummell: 'Future New York', 1911, in: H. Kimpel, / G. Hallenberger: 'Zukunftsträume', S.131, Ebersberg, 1984


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Ein gigantisches, alles überdeckendes Häusermeer ohne „Brückenkultur“. Der Verkehr auf den Straßen ist eher bescheiden. Nicht einmal eine Straßenbahn ist zu erkennen, die meisten Menschen gehen zu Fuß.

Winsor McCay (s.d., ca. 1905) aus: J. Clute: 'Science-fiction', S.13, München, 1996


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Drei eindruckvolle Bilder von 1910 der erwarteten Wolkenkratzer- und Brückenkultur. Eiffelturm und Triumphbogen werden völlig überragt.

R. Biron: 'Paris futur', 1910, in: C. Canto / O. Falin: 'Le futur antérieur', Paris, 1993


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Eine besonders ausgeprägte Brückenkultur herrscht in dieser utopischen Stadt aus dem Jahr 1910.

N.N., s.d., in: Susanne Päch: 'Utopien', S.97, Braunschweig, 1983


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Diese amerikanische Stadt der Zukunft hat ein gewisses orientalisches Flair.

Aus: 'Le petit inventeur', Paris, 4.11.1924


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Die Stadt der Zukunft aus einem Guss, mit zusätzlichen Prachtalleen in über 50 Meter Höhe, die hier aber offenbar nur für die Fußgänger gedacht sind.

F. Muijcas 'The city of the future', 1928, in: H. Kimpel /G. Hallenberger: 'Zukunftsträume', S.139, Ebersberg, 1984



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Der Traum vom 'Goldenen Zeitalter'? Nicht jeder kann sich für diesen Mega-Moloch begeistern und freut sich heute, dass die Träume von damals nicht verwirklicht wurden. Die Handlung des 1930 gedrehten Filmes 'Just Imagine' spielt im Jahr 1980. Die Autoren sind hier also nur 50 Jahre in die Zukunft gesprungen, was eine vergleichbar geringe Zeitspanne ist.

Filmbild aus dem Musical: 'Just Imagine', USA, 1930


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Auch in Fritz Langs 'Metropolis' sind die Hochhäuser auf halber Höhe miteinander verbunden. Die vorgesehenen Werbeflächen sind allerdings bescheiden, die Stadt wirkt sehr 'sauber'.

Fritz Langs 'Metropolis', 1926, in: C. Canto / O. Falin: 'Le futur antérieur', S.93, Paris, 1993



Entwurfszeichnung zu Fritz Langs Film 'Metropolis', 1925. Dieser Stadt kann man kaum noch auf den Grund gucken.

Otto Hunte, Filmmuseum Frankfurt; Bild: W. Höhne


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Auch die Kunst beschäftigt sich mit der „Megapolis“ der Zukunft bzw. der Gegenwart.

Aus G. Dietz: 'Die wilden Zwanziger', Berlin, 1986

Kommentare:

mahret hat gesagt…

wow. sehr aufschlussreich. danke dir :)

Lynn and Horst hat gesagt…

paulchen, ich würde gerne vorlesungen bei dir besuchen.

paul hat gesagt…

praktikumsrecherchearbeiten, können manchmal recht aufschlussreich sein..