Freitag, 7. Mai 2010

beautiful yet haunting



Rund sieben Wochen nach dem kalendarischen Frühlingsbeginn ist in Berlin der Winter zurückgekehrt. Mein Bett wird seitdem bloß noch im Notfall verlassen und das Essen bestell ich mir ins Haus.
Zumindest die neueste Single aus der Heimat von Air France und jj lässt mich seit einiger Zeit wieder vom Sommer, ausgiebigen Fahrradtouren und frühmorgigen Flohmarktbesuchen sinnieren. Diese stammt von Kendal Johansson, der bislang vor allem als Kollaborator von Labelkollege Avner in Aktion getreten war.
Johanssons Debüt Blue Moon ist keine Eigenkomposition, sondern ein satt und doch luftig arrangiertes Cover des Big Star-Songs, dass wohlgemerkt lange vor dem Tod Alex Chiltons gemacht wurde und bewegt sich irgendwo zwischen Zola Jesus und Kate Bush. Davon zeugt auch das Video zum inbrünstigen Song, welches gegen Ende gemeinsam mit Designerin Heidi Nilausen in einem ziemlich anständigen Fashionhappening endet und gar etwas an Fever Rays 'When I grow up' erinnert.

Donnerstag, 6. Mai 2010

Oh my god shoes

Meine Suche nach den perfekten Wegbegleitern für den anstehenden Sommer, stellte sich bisher als schwieriger heraus, als vorerst angenommen und das wobei ich mich bereits vor geraumer Zeit für Desert Boots, die Retroschnürer mit dem Faktor auf Bequemlichkeit, entschieden habe.. Die Auswahl für diesen Sommer ist immens!

Inzwischen getragen von jedermann in Lehrerzimmern, Versicherungsbüros und Provinzstädtchen sowohl nach wie vor aus Fashion Spreads kaum mehr wegzudenken, wurde das Ur-Modell während des Zweiten Weltkriegs von seinem späteren Wiederbeleber Nathan Clark entdeckt. Clark war als britischer Offizier in Hinterindien, wo Soldaten der Achten Armee eine Art Urmodell aus Wildleder trugen; sie hatten sich ihre Schuhe auf einem Basar anfertigen lassen. Mit einem selbst gefertigten Prototyp reiste er später zu einer Messe in Chicago - und mit massenhaften Aufträgen wieder ab.
Insbesondere in den 60ern und 70ern traf der Wüstenschuh den Nerv einer ganzen Generation. Amerikanische Studenten trugen ihn, ebenso die englischen Mods. Beworben wurde der Schuh damals mit dem Slogan 'The off-beat casual for the up-beat intellectuals', während die kernigen Treter für 'coole Intellektuelle' in Deutschland besonders bei den 68ern beliebt war.



Inzwischen kommen für mich persönlich der Desert High 1 von Acne für satte 280 € und die sandfarbene Variante von Opening Ceremony für 208 € in die engere Auswahl. Acnes Umsetzung sorgt durch die aufgefädelten Holzperlen und dem fehlende Absatz der Kreppsohle für ein tribales Großstadt-Dschungelfeeling, während die amerikanische Interpretation etwas schmäler daher kommt und mit einer Ledersohle ausgestattet ist.
Beide Preise haben es in sich und mögen mögen auf den ersten Blick utopisch wirken, doch sollte man im Hinterkopf behalten, dass diese Klassiker dafür bekannt wurden enorm widerstandsfähig zu sein. Am besten kippt man jedoch vorher ein Glas Bier drüber und trampelt anschließend auf dem Leder herum, denn der Desert Boot sieht erst richtig gut aus, wenn er speckig und abgewetzt ist. Schließlich verdankt er seinen Namen seiner Unverwüstlichkeit. Built to resist also. Achja

Samstag, 1. Mai 2010

Amazing Grace


Nicht nur einmal, sah ich mir bereits Tom Fords Erstlingswerk 'A Single Man' an, ein Film über ein existentielles Thema, umgesetzt mit einer wunderbar unexistentiellen Leichtigheit, der mir und meinem Glauben, dass Industriedesign, Mode, Grafik, Typografie und Möbel in den 60er Jahren ihren Schönheitszenit feierten sehr entgegen gekommen ist. Retrospektiv bediente sich Herr Ford darin so herrlich der Selektion, wirklich nur die Glanzstücke heranziehen und visuelle Ausrutscher der echten 60er Jahre zu verschweigen.
Auch das von Grace Coodington für Vogue Nippon durchgestylte Editorial im swinging sixties Stil mit Raquel Zimmermann, Caroline Trentini und Nicholas Hoult, der seit 'About a Boy' die bleichen Hamsterbacken gegen beachtliche Wangenknochen eingetauscht hat, ist eine wahre Augenweide - überhöht, inszeniert und stilisiert. Wobei sich mir hingegen die Sache mit den I-Pods etwas entschließt.